Bund Deutscher Nordschleswiger

Aus Buecherei

Wechseln zu: Navigation, Suche

Datei:BDN-Logo.JPG

Der Bund Deutscher Nordschleswiger ist die Dachorganisation der deutschen Minderheit in Dänemark und vertritt sie in allen Fragen nach außen.
Das BDN-Wappen zeigt die beiden schleswigschen Löwen und die stilisierte Immerwatt Brücke als Symbol für die Brückenfunktion der deutschen Volksgruppe.
Ziel und Zweck des Bundes ist die Förderung der deutschen Volksgruppe in Nordschleswig und die Mitwirkung an einer harmonischen Entwicklung des deutsch-dänischen Grenzlandes (Satzungen §1)

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Die Gründung des Bundes Deutscher Nordschleswiger erfolgte am 22. November 1945 in der deutschen Hauptbücherei am Schulweg in Apenrade. Die Gründungserklärung basierte im Wesentlichen auf der Haderslebener Erklärung vom November 1943, in der die Grenze anerkannt und die Loyalität gegenüber der dänischen Verfassung, dem Königshaus und dem dänischen Staat betont und gleichzeitig kulturelle Autonomie für die Minderheit gefordert wurde. Nach dem Ende des 2. Weltkrieges und dem damit verbundenen Zusammenbruch aller ab 1938 durch die Gleichschaltung im Wesentlichen nationalsozialistisch geprägten Organisationen war dieser Neuanfang notwendig geworden, wenn es für die deutsche Minderheit eine Zukunft in Dänemark geben sollte. Die Grundsätze zogen einen Schlussstrich unter die Grenzrevisionsansprüche der deutschen Minderheit – beides kam in der Gründungserklärung des BDN zum Ausdruck.

Seine vornehmliche Aufgabe war in den ersten Nachkriegsjahren der Versuch, die Folgen der Rechtsabrechnung zu mildern, von dänischer Seite wurden jedoch keine Zugeständnisse gemacht. Nach der Entlassung der meisten deutschen Inhaftierten konnten jedoch ab 1948 langsam wieder Verbandsstrukturen aufgebaut werden. Zu den Gründungsmitgliedern zum ersten Arbeitsausschuss gehörten Matthias Hansen, Hadersleben, Jürgen Schmidt, Osterterp, Pastor Friedrich Prahl, Hadersleben, Dr. Niels Wernich, Sonderburg, Rektor P. Callesen, Hofbesitzer Hans Nielsen, Lundsgaard und Dr. Waldemar Reuter, Gravenstein. Erster geschäftsführender Vorsitzender des Bundes Deutscher Nordschleswiger war von 1945 bis 1947 der Tabakfabrikant Matthias Hansen, ein führendes Mitglied des "Haderslebener Kreises". Erster Leiter des Deutschen Sekretariats und zentraler Akteur der Anfangsjahre war Ernst Siegfried Hansen, der am 1. Dezember 1945 der Öffentlichkeit die Gründungerklärung des Bundes Deutscher Nordschleswiger übergab.

Im Laufe der Jahre hat sich der Bund Deutscher Nordschleswiger als oberste Vertretung der Interessen der deutschen Minderheit zu einem wesentlichen Mitspieler in der Kulturarbeit und Politik des Grenzlandes entwickelt, der heute vom Königreich Dänemark und der Bundesrepublik unter anderem als kompetenter Vermittler in der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit angesehen wird. Weitere Informationen siehe: Deutsche Minderheit in Dänemark.

Organisation

Der Bund Deutscher Nordschleswiger ist aufgegliedert in 4 Bezirke und 19 Ortsvereine und hat rund 3.800 Mitglieder. Höchstes Organ ist die Delegiertenversammlung. Sie hat alle Fragen von grundsätzlicher Bedeutung zu entscheiden. Sie wählt die/den Hauptvorsitzende/n, seine/n Stellvertreter/in sowie die/den Kulturausschussvorsitzende/n und die/den Vorsitzende/n der Schleswigschen Partei (SP). Während der Kulturausschuss für die kulturelle Gesamtplanung der Minderheit zuständig ist, übernimmt die Schleswigsche Partei die politische Vertretung der Minderheit in den Kommunen.

Der Hauptvorstand des Bundes Deutscher Nordschleswiger ist das übergeordnete Leitungsgremium der deutschen Minderheit. Er leitet den Bund Deutscher Nordschleswiger und ist für grundsätzliche Angelegenheiten sowie für den Gesamthaushalt der Volksgruppe zuständig.

Der Bund Deutscher Nordschleswiger unterhält seit seinem Entstehen ein Generalsekretariat, geleitet vom jeweiligen Generalsekretär, das für die laufenden Geschäfte und für die Bewirtschaftung des Gesamthaushaltes zuständig ist. Es hat seine Büros seit 1967 im Gebäude der Deutschen Büchereizentrale und Zentralbücherei Apenrade - heute: "Haus Nordschleswig".

Seit 1983 unterhält der Bund Deutscher Nordschleswiger das Sekretariat der deutschen Volksgruppe in Kopenhagen. Das Sekretariat ist im Auftrag der zuständigen Gremien der Volksgruppe für die Vertretung der Interessen der deutschen Minderheit gegenüber Folketing, Regierung und Zentraladministration in Kopenhagen zuständig.

Der Bund Deutscher Nordschleswiger ist Herausgeber der Tageszeitung „Der Nordschleswiger“ (Auflage: ca. 3.000).

Zentrale Veranstaltungen des Bundes Deutscher Nordschleswiger sind der "Deutsche Tag" mit seinem kulturellen Rahmenprogramm jeweils am ersten Wochenende im November und die traditionelle Sankelmarktagung zum Jahresanfang in der Akademie Sankelmark südlich der Grenze, auf der regelmäßig prominente Politiker und Wissenschaftler aus Dänemark und Deutschland auftreten.

Kulturarbeit

Seit 1948 wählt der Bund Deutscher Nordschleswiger einen Kulturausschuss, zunächst "Ausschuss für Kulturarbeit", später "Ausschuss für Kultur und Unterhaltung" genannt. Ihm obliegt die kulturelle Gesamtplanung der Minderheit, wobei die Eigenständigkeit der anderen kulturaktiven Verbände unangetastet bleiben. Kulturelles Glanzlicht ist der Chor der Nordschleswigschen Musikvereinigung mit seinen jährlichen Aufführungen von großen Chorwerken. Ebenso gibt es eine Vielfalt von Kulturveranstaltungen der Deutschen Büchereien, des Jugendhofs Knivsberg und des Deutschen Schul- und Sprachvereins für Nordschleswig.

Zu den wesentlichen kulturellen Grundaktivitäten gehören die Veranstaltungen der Ortsvereine und hier insbesondere die örtlichen Laienspielgruppen, die von Beginn an eine große Rolle gespielt haben. Darüber hinaus gab es überregional die "Nordschleswigsche Heimatbühne", später die "Studiobühne Knivsberg" und heute das Kabarett "Heimatmuseum" und die Aufführungen der "Theatergruppe am Deutschen Gymnasium für Nordschleswig" in Apenrade. Bis Anfang der 90er Jahre gastierte das Schleswig-Holsteinische Landestheater mit 8 Theater-, Opern- und Operettenaufführungen im Apenrader "Theaterhotel", dem Haderslebener "Bürgerverein", dem Sonderburger "Haus Adalbert" und der Tonderner "Schweizerhalle" sowie mit zwei Studio-Theateraufführungen am Deutschen Gymnasium für Nordschleswig und im Jugendhof Knivsberg. Seit dem Ende dieser Gastspiele gibt es eine spezielle Theaterabonnementordnung, die es den deutschen Nordschleswigern ermöglicht, Aufführungen des Landestheaters in Flensburg zu besuchen.

Seit 1981 gastiert das Schleswig Holstein Musik Festival mit zwei bis drei Konzerten pro Jahr in Nordschleswig, die zu den Highlights der Musikereignisse des Grenzlandes zählen. 1990 wurde unter der Leitung von Peter von der Osten erstmals das JugendMusikFestival durchgeführt, das seither in Zusammenarbeit mit der Nordschleswigschen Musikvereinigung veranstaltet wird - inzwischen mit zwei Veranstaltungen, einer für Bands und Musikgruppen und einer für klassische Instrumente. Von 1990 bis 2008 veranstaltete der Bund Deutscher Nordschleswiger in der Sønderjyllandhalle Apenrade unter der Leitung von Nis-Edwin List-Petersen die "Weihnachtskonzerte des Grenzlandes". Darüber hinaus veranstaltet er in loser Reihenfolge überregionale Konzerte und zwei bis drei Kulturfahrten pro Jahr.

Der Bund Deutscher Nordschleswiger ist Mitglied der "Deutsch-dänischen Gesellschaft der Musikfreunde von 1998", zu der neben ihm die Gesellschaft der Musikfreunde Flensburg e.V., Sønderborg Musikforening, die Kulturorganisation der Dänischen Minderheit im Landesteil Schleswig, Sydslesvigs Forening gehören. Die Gesellschaft veranstaltet Musikreisen und gemeinsame Konzerte im Grenzland.

Internationale Verbindungen

Der Bund Deutscher Nordschleswiger engagiert sich seit der Gründrung der Föderalistischen Union Europäischer Volksgruppen (FUEV) in dieser Organisation für die Rechte der ethnischen und nationale Minderheiten in Europa. Der gegenwärtige Präsident der Organisation ist der ehemalige Hauptvorsitzende des BDN, Hans Heinrich Hansen.

Darüber hinaus war der BDN Mitglied des Europäischen Büros für Sprachminderheiten (EBLUL), das 2010 seine Auflösung beschlossen hat.

Vorsitzende

Hauptvorsitzende des Bundes Deutscher Nordschleswiger
Stellvertretende Hauptvorsitzende des Bundes Deutscher Nordschleswiger
Kulturausschussvorsitzende des Bundes Deutscher Nordschleswiger
Vorsitzende der Schleswigschen Partei

Leitende hauptamtliche Mitarbeiter

Generalsekretäre des Bundes Deutscher Nordschleswiger
Hauptgeschäftsführer des Bundes Deutscher Nordschleswiger
Kulturkoordinatoren und Kulturreferenten des Bundes Deutscher Nordschleswiger
Kommunikationschefs des Bundes Deutscher Nordschleswiger
Sekretäre der Schleswigschen Partei
Leiter des Sekretariats der Deutschen Volksgruppe in Kopenhagen

Literatur

  • Ernst Siegfried Hansen, „Disteln am Wege“, Bielefeld-Bethel, 1957, Deutscher Heimat-Verlag
  • Harboe Kardel: Fünf Jahrzehnte meines Lebens, Apenrade, 1970, Schriften der Heimatkundlichen Arbeitsgemeinschaft für Nordschleswig, Heft 22
  • Günter Weitling, Die Heimdeutschen - Ursprung, Geschichte und Wesen., Apenrade und Sonderburg, 1990, Bund Deutscher Nordschleswiger und Deutsches Museum Nordschleswig ISBN 87-983617-0-8
  • Peter Jessen Sönnichsen, Spiegel der Jahre - "Der Deutsche Volkskalender Nordschleswig" - Eine Kulturgeschichte der deutschen Volksgruppe in Dänemark, Apenrade, 1993, ISBN 87-90072-00-6
  • Gerd Stolz und Günter Weitling, Nordschleswig - Landschaft • Menschen • Kultur, Apenrade, 2005, Bund Deutscher Nordschleswiger, ISBN 3-89876-197-5

Quelle

  • Ernst Siegfried Hansen, „Disteln am Wege“, Bielefeld-Bethel, 1957, Deutscher Heimat-Verlag
  • Harboe Kardel: Fünf Jahrzehnte meines Lebens, Apenrade, 1970, Schriften der Heimatkundlichen Arbeitsgemeinschaft für Nordschleswig, Heft 22
  • Nis-Edwin List-Petersen, Nordschleswig und die deutsche Volksgruppe in Dänemark, Apenrade, 1983

Weblinks

Persönliche Werkzeuge